Totem-Meer-Schlamm

Schwarzer Schlamm, salziges Wasser und ein Bad, das gleichermaßen absurd wie unvergesslich war

Schon die Anreise zum Toten Meer fühlte sich ein wenig unwirklich an. Der Bus fuhr durch trockene, staubige Wüstenlandschaft vorbei an hellen Felsformationen und flirrendem Sand, während draußen die Hitze über dem Boden stand. Je weiter wir hinab Richtung Totes Meer fuhren, desto karger und lebensfeindlicher wirkte die Umgebung. Gleichzeitig lag genau darin auch eine besondere Schönheit.

Ich war wahnsinnig gespannt auf diesen Ort, von dem ich schon so viel gehört hatte. Schließlich steht man nicht alle Tage vor einem der salzhaltigsten Gewässer der Welt.

Baden im schwersten Wasser meines Lebens

Als ich schließlich am Ufer stand und auf das fast unbewegte Wasser blickte, wirkte alles zunächst erstaunlich friedlich. Erst beim Hineingehen merkte ich, wie ungewöhnlich dieses Meer tatsächlich ist.

Mit einem Salzgehalt von über 33 Prozent ist das Wasser beinahe zehnmal salziger als das Mittelmeer. An vielen Stellen hatten sich bizarre Salzformationen gebildet, die wie helle Gesteinsbrocken aus dem Wasser ragten und dem Ufer etwas beinahe Gespenstisches verliehen. Überall glitzerte eine weiße Salzschicht in der Sonne.

Das eigentliche Badeerlebnis war dann vollkommen anders als alles, was ich bisher erlebt hatte. Wirklich schwimmen konnte man dort eigentlich nicht. Schon nach wenigen Schritten verlor ich den Boden unter den Füßen und wurde augenblicklich vom Wasser nach oben gedrückt.

Auf dem Rücken liegend trieb ich wie ein Korken auf der Oberfläche und paddelte eher unbeholfen mit Armen und Beinen durch das warme, leicht ölig wirkende Wasser. Jede normale Schwimmbewegung fühlte sich plötzlich falsch an. Gleichzeitig war es unglaublich entspannend, einfach schwerelos dort zu treiben und die umliegenden Felsen und die jordanischen Berge am Horizont zu betrachten.

Nur eines war das Tote Meer definitiv nicht: erfrischend.

Das Wasser fühlte sich eher an wie eine riesige Badewanne, die zu lange in der Sonne gestanden hatte.

Fragwürdige Hautpflege mit schwarzem Schlamm

Natürlich durfte auch die berühmte Schlammpackung nicht fehlen. Schließlich wird einem dort von allen Seiten erklärt, wie gesund und heilend der schwarze Schlamm des Toten Meeres angeblich sei.

Mae und ich zögerten daher nicht lange und begannen kurzerhand damit, uns großzügig von Kopf bis Fuß mit der tiefschwarzen Masse einzuschmieren. Wenige Minuten später saßen wir vollkommen eingematscht am Strand und ließen den Schlamm in der Sonne trocknen.

Optisch erinnerte das Ganze irgendwo an eine Mischung aus Naturheilbehandlung und schwerem Industrieunfall.

Je länger der Schlamm trocknete, desto unangenehmer spannte die Haut, während wir versuchten, uns gegenseitig nicht allzu sehr auszulachen. Andere Badegäste sahen allerdings kaum besser aus, weshalb die allgemeine Stimmung am Strand eine erstaunliche Selbstverständlichkeit ausstrahlte.

Als ich die mittlerweile steinharte Schlammschicht später wieder abwusch, fühlte sich meine Haut tatsächlich irgendwie anders an. Ob das nun wirklich an den heilenden Mineralien lag oder eher daran, dass ich mir vorher eine halbe Kiesgrube auf den Körper geschmiert hatte, kann ich bis heute nicht mit Sicherheit sagen.

Spaß gemacht hat es aber definitiv.

Und obwohl ich nach diesem Tag vollkommen verschwitzt, salzig und leicht verbrannt war, blieb mir das Tote Meer vor allem als einer der absurdesten und gleichzeitig faszinierendsten Orte meines bisherigen Aufenthalts in Erinnerung.