Sabbat in Jerusalem

Heute wurde in Jerusalem Sabbat gefeiert – der jüdische Ruhetag und gleichzeitig der letzte Tag der Woche. Vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstag verändert sich dadurch spürbar das Leben in der Stadt.

Viele Geschäfte schließen, Busse und Bahnen fahren kaum oder gar nicht und in manchen Vierteln wirkt Jerusalem plötzlich ungewohnt still. Laut der Tora soll am Sabbat nicht gearbeitet werden, weshalb gläubige Juden an diesem Tag auf viele alltägliche Tätigkeiten verzichten.

Für mich war es spannend zu erleben, wie sehr diese religiösen Regeln hier tatsächlich den gesamten Alltag prägen.

Am Vormittag begann ich damit, die ersten hebräischen Schriftzeichen zu lernen, bevor wir uns mit erstaunlichem Ehrgeiz einer großen Putzaktion in unserer WG. widmeten. Schränke wurden ausgeräumt, die Küche geschrubbt und am Ende stand das gesamte Haus halb unter Wasser, weil wir den Boden gleich mitfluteten.

Nach getaner Arbeit beschlossen wir spontan, mit dem Taxi ins Zentrum Jerusalems zu fahren, um die Stadt endlich etwas genauer zu erkunden.

Dort wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie gegensätzlich Jerusalem wirkt.

Einerseits liefen ultraorthodoxe Juden mit schwarzen Mänteln, Hüten, langen Locken und Bärten durch die Straßen. Andererseits pulsierte in vielen Vierteln gleichzeitig das Leben. Aus Bars und Restaurants dröhnte Musik, Shishabars waren voll besetzt und Händler riefen laut ihre Angebote durch die Straßen.

Gerade diese Kontraste machten auf mich einen besonderen Eindruck.

Jerusalem wirkte gleichzeitig tief religiös, uralt und vollkommen modern. Still und laut. Ernst und lebendig. Und vermutlich war genau das mein erster wirklicher Eindruck dieser Stadt.