
Nach einigen Tagen in Rabat fuhr ich entlang der Küste nach Casablanca. Die Strecke war nicht besonders lang, aber sie blieb mir in anderer Weise im Gedächtnis.
Schon auf dem Weg dorthin veränderte sich das Bild.
Zerfallene Häuser ohne Fenster, Hütten aus Plastik und Wellblech, Müllberge entlang der Straße. Dazwischen Menschen, die versuchten, ihren Alltag daraus zu gestalten. Kinder spielten im Staub, abgemagerte Tiere suchten nach Nahrung, Rauch stieg auf, wo Müll direkt vor den Häusern verbrannt wurde.
Ein heißer, feuchter Wind kam vom Meer herüber, vermischte sich mit dem Geruch von verbranntem Plastik und Verwesung. Auf dem Fahrrad blieb kaum Raum, dem auszuweichen.
Als ich mich der Stadt näherte, tauchte in der Ferne das Minarett der Hassan-II.-Moschee auf. Hoch, klar, fast unberührt von allem, was sich davor abspielte.





Ich hielt kurz an. Vor mir das Meer und die riesige Moschee, hell im Licht, ruhig und monumental. Rechts davon eines der teuersten Kaufhäuser des Kontinents, glänzende Fassaden, große Werbeflächen, Luxusgüter hinter Glas. Links ein Viertel aus einfachen Materialien, dicht bebaut, umgeben von Mauern, die nicht nur begrenzten, sondern auch trennten.
Alles lag unmittelbar nebeneinander. Ich schob mein Fahrrad weiter durch die Straße. Laut, hektisch, unruhig. Menschen, Verkehr, Stimmen, Bewegung aus allen Richtungen. Nur wenige Meter weiter standen Familien vor der Moschee und machten Erinnerungsfotos in der Sonne.
Ich ging noch ein Stück weiter, Richtung Altstadt. Das Bild blieb.

