{"id":1769,"date":"2026-05-09T18:13:23","date_gmt":"2026-05-09T18:13:23","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1769"},"modified":"2026-05-09T18:13:24","modified_gmt":"2026-05-09T18:13:24","slug":"together-we-can-make-a-change","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/together-we-can-make-a-change\/","title":{"rendered":"Together we can make a change"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Jugendgipfeln, Politik und der Frage, wie viel Mitbestimmung wirklich gewollt ist<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit 18 Jahren begann ich mich zunehmend intensiver f\u00fcr internationale Beziehungen, Geschichte und politische Verantwortung zu interessieren. Pr\u00e4gend daf\u00fcr waren nicht nur der Schulunterricht oder Nachrichten, sondern vor allem Begegnungen und Reisen. W\u00e4hrend meines Auslandsjahres in Irland, bei Aufenthalten in Frankreich und auf verschiedenen Jugendbegegnungen wurde mir immer deutlicher bewusst, wie wenig selbstverst\u00e4ndlich Frieden, Demokratie und internationale Verst\u00e4ndigung eigentlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders eindr\u00fccklich erinnere ich mich an meine Fahrradreise in die Normandie. Vom ehemaligen Eisernen Vorhang aus f\u00fchrte mich die Strecke entlang von Soldatenfriedh\u00f6fen zweier Weltkriege bis an die K\u00fcste des D-Days. Dort wurde mir auf bedr\u00fcckende Weise klar, dass die heutige Freundschaft zwischen ehemaligen Feinden keineswegs selbstverst\u00e4ndlich ist, sondern etwas Fragiles und Wertvolles darstellt, das immer wieder neu gepflegt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Sch\u00fcleraustausch nach Belarus, dem oft als \u201eletzte Diktatur Europas\u201c bezeichneten Staat, hinterlie\u00df bleibenden Eindruck. Dort wurde mir erstmals unmittelbar bewusst, welchen Wert Demokratie, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit eigentlich besitzen \u2013 Dinge, die in Mitteleuropa oft so selbstverst\u00e4ndlich wirken, dass man sie kaum noch wahrnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Erfahrungen f\u00fchrten letztlich dazu, dass ich mich verst\u00e4rkt politisch engagieren wollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Von G\u00f6ttingen nach Tokio<\/h1>\n\n\n\n<p>Durch meine ehrenamtliche Arbeit wurde ich auf Ausschreibungen des Deutschen Bundesjugendrings aufmerksam und bewarb mich schlie\u00dflich sowohl f\u00fcr den G7-Jugendgipfel in Japan als auch f\u00fcr das European Youth Event im Europ\u00e4ischen Parlament in Stra\u00dfburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Bewerbungsverfahren bestanden aus umfangreichen schriftlichen Bewerbungen und Frageb\u00f6gen. Umso gr\u00f6\u00dfer war die Freude, als ich tats\u00e4chlich Zusagen f\u00fcr beide Veranstaltungen erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders die Vorbereitung auf den G7-Jugendgipfel nahm viel Zeit in Anspruch. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern der deutschen Delegation arbeiteten wir uns in Themen wie Klimawandel, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung ein. Stundenlange Telefonkonferenzen, Diskussionen und gegenseitige Vortr\u00e4ge geh\u00f6rten pl\u00f6tzlich zum Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel war eigentlich ambitioniert: Jugendliche aus den G7-Staaten sollten gemeinsam Forderungen und Empfehlungen an die Regierungschefs erarbeiten, die wenige Wochen sp\u00e4ter selbst in Japan zum eigentlichen G7-Gipfel zusammenkommen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Perfekte Organisation, wenig Mitbestimmung<\/h1>\n\n\n\n<p>Japan pr\u00e4sentierte sich w\u00e4hrend des Gipfels als beeindruckender Gastgeber. Alles war hervorragend organisiert, h\u00f6flich, strukturiert und bis ins Detail durchgeplant. Wir wurden durch Tempelanlagen gef\u00fchrt, probierten unz\u00e4hlige Gerichte der japanischen K\u00fcche und lebten zeitweise sogar bei Gastfamilien, was f\u00fcr mich zu den sch\u00f6nsten Erfahrungen der Reise geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig entstand jedoch zunehmend das Gef\u00fchl, dass unsere eigentliche politische Beteiligung eher symbolischen Charakter hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitsphasen in den Expertengruppen blieben oft \u00fcberraschend oberfl\u00e4chlich und kurz. Besonders frustrierend war f\u00fcr viele von uns, dass das von den Delegationen gemeinsam erarbeitete Abschlussdokument nachtr\u00e4glich noch von Betreuern und Regierungsmitarbeitern \u00fcberarbeitet wurde \u2013 ohne R\u00fccksprache mit uns Jugendlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir das fertige Dokument schlie\u00dflich symbolisch dem japanischen Premierminister Shinzo Abe \u00fcberreichten, wurde endg\u00fcltig deutlich, wie begrenzt unser tats\u00e4chlicher Einfluss war. Jede Delegation durfte eine kurze Rede halten, danach war die Begegnung praktisch beendet. Ein wirklicher Austausch fand nicht statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens dort entstand bei vielen von uns der Eindruck, dass Jugenddelegationen zwar gern gezeigt werden, echte Mitsprache aber deutlich komplizierter ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Begegnung statt B\u00fchne<\/h1>\n\n\n\n<p>Trotz aller Kritik blieb die Reise f\u00fcr mich unglaublich wertvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die eigentlichen Gespr\u00e4che fanden ohnehin oft abseits der offiziellen Programmpunkte statt: nachts mit anderen Delegationsteilnehmern, in Gastfamilien, auf Busfahrten oder beim gemeinsamen Essen. Dort wurde offen diskutiert, gestritten und gelacht \u2013 \u00fcber Politik, Zukunfts\u00e4ngste, Klimawandel, kulturelle Unterschiede und dar\u00fcber, wie unterschiedlich Demokratie weltweit verstanden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade dadurch wurde mir bewusst, wie wichtig direkter Austausch zwischen jungen Menschen ist. Nicht Regierungen schlie\u00dfen letztlich Frieden, sondern Menschen begegnen einander.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder wie ich damals begann zu denken:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Es gibt keine Freundschaften zwischen Staaten, sondern nur zwischen Menschen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Stra\u00dfburg: reingekommen \u2013 rausgeflogen<\/h1>\n\n\n\n<p>Nur wenige Wochen nach meiner R\u00fcckkehr aus Japan fuhr ich weiter nach Stra\u00dfburg zum European Youth Event im Europ\u00e4ischen Parlament. Dort trafen sich tausende Jugendliche aus ganz Europa, um gemeinsam an Diskussionen und Workshops teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stimmung war deutlich offener, spontaner und politischer als in Japan.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit einem anderen Teilnehmer aus Deutschland entschied ich mich w\u00e4hrend der Abschlussveranstaltung zu einer spontanen Protestaktion gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Von einer Empore im Plenarsaal lie\u00dfen wir ein selbstgebasteltes \u201eStop TTIP\u201c-Banner herab.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend einige der Anwesenden applaudierten, reagierten die Sicherheitskr\u00e4fte deutlich weniger begeistert. Nach kurzer Diskussion wurden wir aus dem Saal gef\u00fchrt, befragt und schlie\u00dflich aus dem Geb\u00e4ude begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Konsequenzen gab es letztlich keine, trotzdem blieb die Situation irgendwie absurd: Gerade auf einer Veranstaltung \u00fcber Jugendbeteiligung und politische Mitgestaltung endete politischer Protest ziemlich schnell vor der T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Was geblieben ist<\/h1>\n\n\n\n<p>Heute wirken viele dieser Erlebnisse schon weit entfernt, und manches erscheint im R\u00fcckblick vielleicht etwas idealistisch oder ungeschliffen. Trotzdem geh\u00f6ren genau diese Erfahrungen zu den Dingen, die meinen Blick auf Politik, Reisen und internationale Begegnungen nachhaltig gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht wegen gro\u00dfer diplomatischer Erfolge oder spektakul\u00e4rer Gipfeltreffen, sondern wegen der vielen Gespr\u00e4che mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, den Widerspr\u00fcchen zwischen Anspruch und Realit\u00e4t und der Erkenntnis, wie wichtig es ist, sich trotz aller Frustrationen weiter einzumischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn Ver\u00e4nderungen entstehen selten pl\u00f6tzlich oder von oben herab. Oft beginnen sie mit Begegnungen, Diskussionen und der Bereitschaft, sich \u00fcberhaupt f\u00fcreinander zu interessieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Jugendgipfeln, Politik und der Frage, wie viel Mitbestimmung wirklich gewollt ist Mit 18 Jahren begann ich mich zunehmend intensiver f\u00fcr internationale Beziehungen, Geschichte und politische Verantwortung zu interessieren. Pr\u00e4gend daf\u00fcr waren nicht nur der Schulunterricht oder Nachrichten, sondern vor allem Begegnungen und Reisen. W\u00e4hrend meines Auslandsjahres in Irland, bei Aufenthalten in Frankreich und auf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-with-title","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1769","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1769"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1770,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1769\/revisions\/1770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}