{"id":1757,"date":"2026-05-09T17:47:59","date_gmt":"2026-05-09T17:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1757"},"modified":"2026-05-09T20:34:06","modified_gmt":"2026-05-09T20:34:06","slug":"rueckweg-im-regen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/rueckweg-im-regen\/","title":{"rendered":"R\u00fcckweg im Regen"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Aufbruch Richtung Norden<\/h3>\n\n\n\n<p>So \u00fcberw\u00e4ltigend Rom auch gewesen war, irgendwann musste ich mich wieder auf den R\u00fcckweg machen. Vor mir lagen noch einmal ungef\u00e4hr 2000 Kilometer bis nach Hause und allein der Gedanke daran wirkte zun\u00e4chst beinahe absurd. Gleichzeitig hatte ich aber l\u00e4ngst gemerkt, dass sich mein Verh\u00e4ltnis zum Unterwegssein ver\u00e4ndert hatte. Die vielen Stunden auf dem Fahrrad, die st\u00e4ndigen kleinen Herausforderungen und das Leben mit sehr wenig hatten irgendwann etwas Selbstverst\u00e4ndliches bekommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"666\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-21.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1867\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-21.png 666w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-21-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 666px) 100vw, 666px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bevor ich Rom wieder verlassen konnte, musste ich allerdings erst meinen mittlerweile v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle geratenen Hunger stillen. Da mir einige Verwandte freundlicherweise noch etwas Geld geschickt hatten, g\u00f6nnte ich mir in einem kleinen Restaurant erst eine Pizza und bestellte danach noch eine Portion Nudeln hinterher. Selbst danach war ich eigentlich noch nicht richtig satt, wollte den zunehmend irritiert wirkenden Kellner aber nicht endg\u00fcltig \u00fcberfordern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Durch die gl\u00fchende Toskana<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Weiterfahrt durch die Toskana war landschaftlich wundersch\u00f6n, gleichzeitig aber weiterhin unglaublich anstrengend. Die Hitze stand noch immer schwer \u00fcber den Stra\u00dfen und manchmal schien die Luft \u00fcber dem Asphalt regelrecht zu flimmern. Trotzdem genoss ich viele dieser Etappen gerade wegen ihrer Einfachheit: morgens losfahren, treten, essen, schwitzen, weiterfahren und abends irgendwo ersch\u00f6pft ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs wurde ich weiterhin immer wieder gefragt, ob ich denn gar keine Angst h\u00e4tte, so alleine zu reisen. F\u00fcr viele Menschen schien eine solche Fahrradreise beinahe unvorstellbar zu sein. Nat\u00fcrlich war mir bewusst, dass ich gewisse Risiken einging, aber gleichzeitig hatte ich unterwegs gelernt, wie viel Sicherheit auch aus Vertrauen entstehen kann \u2014 Vertrauen in andere Menschen, aber auch in die eigenen F\u00e4higkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade das Alleinreisen machte die Erfahrungen f\u00fcr mich so intensiv. Entscheidungen mussten alleine getroffen werden, schwierige Situationen ebenso. Gleichzeitig lernte ich, wie wenig man eigentlich braucht, um zufrieden zu sein. Oft waren es die einfachsten Dinge, die unterwegs pl\u00f6tzlich gro\u00dfe Bedeutung bekamen: trockene Kleidung, Schatten, ein freundliches Gespr\u00e4ch oder ein sicherer Platz zum Schlafen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber den Gro\u00dfglockner<\/h3>\n\n\n\n<p>Der R\u00fcckweg f\u00fchrte mich schlie\u00dflich wieder Richtung \u00d6sterreich und \u00fcber den Gro\u00dfglockner. Auch dort kam es erneut zu diesen merkw\u00fcrdig sch\u00f6nen Begegnungen, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Reise zogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb weniger Stunden passierte es gleich zwei Mal, dass mir Menschen, mit denen ich mich nur kurz unterhalten hatte, beim Abschied einfach Geld in die Hand dr\u00fcckten, um meine Reise zu unterst\u00fctzen. Diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der manche Menschen helfen, ohne irgendetwas zur\u00fcckzuerwarten, hat mich unterwegs immer wieder tief ber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich entschied sp\u00e4ter, dieses Geld an das Deutsche Rote Kreuz zu spenden, f\u00fcr das ich kurze Zeit sp\u00e4ter meinen Freiwilligendienst in Jerusalem beginnen sollte. Irgendwie f\u00fchlte sich das richtig an, weil so vieles, was ich unterwegs erlebt hatte, ebenfalls mit Hilfsbereitschaft und Vertrauen zu tun hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-22.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1869\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-22.png 960w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-22-300x225.png 300w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-22-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sintflut statt Sommer<\/h3>\n\n\n\n<p>Ab Salzburg \u00e4nderte sich die Reise dann schlagartig. Aus gl\u00fchender Hitze wurde tagelanger Regen. Die letzten hunderte Kilometer fuhr ich beinahe dauerhaft durchn\u00e4sst durch Deutschland. Mein Zelt war nass, der Schlafsack feucht und meine gesamte Ausr\u00fcstung roch irgendwann nach einer Mischung aus Regen, Schwei\u00df und Abenteuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem geh\u00f6ren gerade diese letzten Tage heute zu den Erinnerungen, die mir besonders warm geblieben sind. Vielleicht gerade deshalb, weil vieles nicht perfekt lief.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"666\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-24.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1872\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-24.png 666w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-24-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 666px) 100vw, 666px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Immer wieder wurde ich irgendwo spontan aufgenommen: bei einem Friseur, einem ehemaligen Rennradprofi oder in einer etwas chaotischen Studenten-WG. Wieder waren es fremde Menschen, die daf\u00fcr sorgten, dass die Reise nicht nur aus Kilometern bestand.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was unterwegs bleibt<\/h3>\n\n\n\n<p>Als ich nach etwas \u00fcber 4000 Kilometern schlie\u00dflich wieder zuhause ankam, war ich ersch\u00f6pft, sonnenverbrannt, aufgeweicht vom Regen und gleichzeitig erf\u00fcllt wie selten zuvor. Nat\u00fcrlich war ich froh, wieder anzukommen, aber gleichzeitig wusste ich schon damals sehr genau, dass diese Reise etwas in mir ver\u00e4ndert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs hatte ich gelernt, mich nicht st\u00e4ndig danach zu richten, was andere Menschen f\u00fcr m\u00f6glich oder vern\u00fcnftig halten. Ich hatte erfahren, dass k\u00f6rperliche und mentale Grenzen oft viel weiter entfernt liegen, als man zun\u00e4chst glaubt und dass man mit Geduld, Beharrlichkeit und Vertrauen oft mehr schaffen kann, als man sich selbst zugetraut h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber blieb mir etwas anderes in Erinnerung: die Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie in Tirol.<br>Der Mann mit den Bananen.<br>Der Rennradfahrer mit dem hei\u00dfen Kakao.<br>Der Arch\u00e4ologe mitten in der Nacht in Rom.<br>All die kurzen Begegnungen, die eigentlich klein wirkten und trotzdem bis heute geblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcckblickend denke ich manchmal, dass es auf solchen Reisen irgendwann gar nicht mehr nur um das Ziel geht. Nicht um Rom, nicht um Kilometer oder Alpenp\u00e4sse. Sondern darum, was unterwegs langsam aus einem selbst wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb mich das Reisen bis heute nicht mehr losgelassen hat.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufbruch Richtung Norden So \u00fcberw\u00e4ltigend Rom auch gewesen war, irgendwann musste ich mich wieder auf den R\u00fcckweg machen. Vor mir lagen noch einmal ungef\u00e4hr 2000 Kilometer bis nach Hause und allein der Gedanke daran wirkte zun\u00e4chst beinahe absurd. Gleichzeitig hatte ich aber l\u00e4ngst gemerkt, dass sich mein Verh\u00e4ltnis zum Unterwegssein ver\u00e4ndert hatte. 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