{"id":1753,"date":"2026-05-09T17:46:29","date_gmt":"2026-05-09T17:46:29","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1753"},"modified":"2026-05-09T20:26:03","modified_gmt":"2026-05-09T20:26:03","slug":"rom-will-erobert-werden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/rom-will-erobert-werden\/","title":{"rendered":"Rom will erobert werden"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Ankunft in Venedig<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach \u00fcber 1500 Kilometern erreichte ich schlie\u00dflich Venedig. Schon die letzten Kilometer in Richtung Lagune f\u00fchlten sich unwirklich an. Pl\u00f6tzlich war da diese ber\u00fchmte Stadt, die ich bisher nur von Bildern kannte, und ich schob nun mein voll bepacktes Fahrrad durch enge Gassen, \u00fcber kleine Br\u00fccken und vorbei an endlosen Touristenstr\u00f6men.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"666\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-18.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1858\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-18.png 1000w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-18-300x200.png 300w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-18-768x511.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Um zu meinem Hostel zu gelangen, musste ich das Fahrrad mitsamt Gep\u00e4ck immer wieder \u00fcber Treppen tragen und durch dichtes Gedr\u00e4nge man\u00f6vrieren. Als ich endlich ankam und zum ersten Mal richtig durchatmen konnte, machte sich eine unglaubliche Erleichterung breit. Gleichzeitig war da aber auch Euphorie. Ich hatte es tats\u00e4chlich bis nach Italien geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Hostel mit Blick aufs Wasser traf ich Jugendliche aus den unterschiedlichsten L\u00e4ndern und verbrachte die folgenden Tage damit, durch die Stadt zu laufen, kleine Gassen zu erkunden und einfach die besondere Atmosph\u00e4re Venedigs auf mich wirken zu lassen. Besonders fasziniert hat mich der Kontrast zwischen den prunkvollen Geb\u00e4uden und Pl\u00e4tzen auf der einen Seite und den teilweise verfallenen, morschen H\u00e4usern direkt am Wasser auf der anderen. \u00dcberall roch es nach Meer, warmem Stein und manchmal auch leicht modrigem Wasser. Trotzdem hatte die Stadt etwas vollkommen Einzigartiges.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Reise wird l\u00e4nger<\/h3>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tte die Reise dort enden sollen. Genau so hatte ich es urspr\u00fcnglich geplant. Doch je l\u00e4nger ich in Venedig blieb, desto st\u00e4rker wurde das Gef\u00fchl, noch weiterfahren zu wollen. Ich f\u00fchlte mich unterwegs inzwischen vollkommen zuhause und der Gedanke, jetzt schon umzukehren, erschien mir pl\u00f6tzlich beinahe falsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Also traf ich irgendwann spontan die Entscheidung, weiter bis nach Rom zu fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachhinein war das vermutlich einer der verr\u00fccktesten, aber auch sch\u00f6nsten Entschl\u00fcsse der gesamten Reise. Aus einigen hundert zus\u00e4tzlichen Kilometern wurden pl\u00f6tzlich noch einmal \u00fcber tausend.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">45 Grad Richtung S\u00fcden<\/h3>\n\n\n\n<p>Die folgenden Etappen Richtung Rom geh\u00f6rten zu den anstrengendsten Erfahrungen, die ich bis dahin jemals gemacht hatte. Teilweise fuhr ich \u00fcber 200 Kilometer pro Tag bei Temperaturen von weit \u00fcber 40 Grad. Die Hitze lag wie eine Wand \u00fcber den Stra\u00dfen und selbst der Fahrtwind brachte kaum Abk\u00fchlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein t\u00e4glicher Wasserverbrauch lag irgendwann bei deutlich \u00fcber zehn Litern und trotzdem hatte ich permanent Durst. Meine Kleidung war vom Schwei\u00df ausgeblichen, die Silberkette um meinen Hals verf\u00e4rbte sich schwarz und selbst kleine Bewegungen kosteten irgendwann Kraft. Trotzdem entwickelte diese v\u00f6llige k\u00f6rperliche Ersch\u00f6pfung irgendwann auch etwas fast Meditatives. Man denkt unterwegs kaum noch an irgendetwas anderes au\u00dfer an die n\u00e4chste Wasserquelle, den n\u00e4chsten Schatten oder die n\u00e4chsten zehn Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landschaft der Toskana war dabei gleichzeitig wundersch\u00f6n und gnadenlos. Endlose H\u00fcgel, staubige Stra\u00dfen, flirrende Luft und kleine D\u00f6rfer auf Anh\u00f6hen, die niemals n\u00e4herzukommen schienen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ankunft im n\u00e4chtlichen Rom<\/h3>\n\n\n\n<p>Als ich schlie\u00dflich sp\u00e4t abends Rom erreichte, war ich vollkommen ersch\u00f6pft, aber gleichzeitig v\u00f6llig \u00fcberw\u00e4ltigt. Die Stadt war hei\u00df, laut, staubig und voller Menschen. Trotzdem fuhr ich zun\u00e4chst direkt zum Kolosseum, einfach weil ich diesen Moment unbedingt erleben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in der Nacht stand ich pl\u00f6tzlich dort, nach all den Kilometern, und konnte kaum glauben, dass ich wirklich angekommen war. Wahrscheinlich war genau das einer der intensivsten Momente der gesamten Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Der euphorische Ankunftsrausch hielt allerdings nur so lange an, bis ich wenig sp\u00e4ter vor meinem Hostel stand und feststellen musste, dass dort alles dunkel und verschlossen war. Von der angek\u00fcndigten 24-Stunden-Rezeption war weit und breit nichts zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen Minuten zwischen M\u00fcdigkeit, Frust und Ratlosigkeit beschloss ich schlie\u00dflich, die verbleibende Nacht einfach in einem durchgehend ge\u00f6ffneten Imbiss zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hilfe in der Nacht<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich dort etwas ersch\u00f6pft an einer Pizza Margarita sa\u00df, kam ich mit einem jungen Mann und seiner Schwester ins Gespr\u00e4ch. Die beiden konnten Franz\u00f6sisch sprechen und fragten neugierig nach meiner Reise. Als ich ihnen erkl\u00e4rte, dass ich gerade mit dem Fahrrad aus Deutschland angekommen war und nun keine Unterkunft hatte, bot mir der Mann v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich an, bei ihm zu \u00fcbernachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch bevor ich richtig dar\u00fcber nachdenken konnte, sa\u00df ich wenig sp\u00e4ter mit den beiden auf dem Weg zu seiner winzigen Wohnung mitten in Rom. Wahrscheinlich war ich inzwischen viel zu m\u00fcde, um die Situation \u00fcberhaupt noch richtig einordnen zu k\u00f6nnen. Ich erinnere mich nur noch daran, wie schnell ich meine Pizza aufgegessen habe, weil die Aussicht auf etwas Schlaf pl\u00f6tzlich wichtiger war als alles andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wohnung war klein, chaotisch und vollkommen \u00fcberhitzt, aber in dieser Nacht erschien sie mir wie ein Luxus-Hotel. Ich rollte meine Isomatte aus und schlief praktisch sofort ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rom bei gl\u00fchender Hitze<\/h3>\n\n\n\n<p>Die darauffolgenden Tage verbrachte ich damit, Rom zu erkunden und mich etwas zu erholen. Die Stadt f\u00fchlte sich an wie ein einziges riesiges Freilichtmuseum. \u00dcberall stie\u00df man auf antike Bauwerke, riesige Pl\u00e4tze, Kirchen oder Ruinen. Gleichzeitig herrschte ein unglaubliches Chaos aus Hitze, Verkehr und Menschenmassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders dankbar war ich irgendwann f\u00fcr ganz banale Dinge: eine funktionierende Waschmaschine, Schatten oder kaltes Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Ersch\u00f6pfung hatte ich in Rom erstmals das Gef\u00fchl, dass diese Reise wirklich etwas in mir ver\u00e4ndert hatte. Viele Dinge, die mir vorher unm\u00f6glich erschienen waren, hatten pl\u00f6tzlich ihre Bedrohlichkeit verloren. Die langen Tage allein auf dem Fahrrad, die k\u00f6rperlichen Grenzen und die vielen Begegnungen unterwegs hatten mir gezeigt, wie viel mehr m\u00f6glich ist, als man sich vorher selbst zutraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Und trotzdem wusste ich nat\u00fcrlich: Der R\u00fcckweg lag noch vor mir.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankunft in Venedig Nach \u00fcber 1500 Kilometern erreichte ich schlie\u00dflich Venedig. Schon die letzten Kilometer in Richtung Lagune f\u00fchlten sich unwirklich an. 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