{"id":1751,"date":"2026-05-09T17:45:15","date_gmt":"2026-05-09T17:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1751"},"modified":"2026-05-09T20:23:26","modified_gmt":"2026-05-09T20:23:26","slug":"paesse-begegnungen-und-grenzen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/paesse-begegnungen-und-grenzen\/","title":{"rendered":"P\u00e4sse, Begegnungen und Grenzen"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image alignfull size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"666\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1835\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-10.png 1000w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-10-300x200.png 300w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-10-768x511.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Reisen verbindet<\/h3>\n\n\n\n<p>Durch die Fahrt \u00fcber das Timmelsjoch war ich endg\u00fcltig auf den Geschmack gekommen. Die Begeisterung \u00fcber die Berge, die langen Anstiege und dieses Gef\u00fchl, sich aus eigener Kraft durch eine gewaltige Landschaft zu bewegen, war so gro\u00df geworden, dass ich spontan entschied, noch einen weiteren Abstecher \u00fcber das Stilfserjoch zu machen, das mit seinen 48 Kehren zu den h\u00f6chsten und anspruchsvollsten Alpenp\u00e4ssen Europas z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-13.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1845\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-13.png 1024w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-13-300x225.png 300w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-13-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Meran aus fuhr ich bis zu einem kleinen Campingplatz am Fu\u00dfe des Passes. Dort traf ich ein ausgesprochen freundliches Ehepaar aus Ungarn, das in der Gegend Urlaub machte. Eigentlich wollten wir uns nur kurz unterhalten, doch aus einigen Minuten wurden schnell mehrere Stunden. Bei einer Tasse Tee sprachen wir \u00fcber Politik, Reisen, Europa und dar\u00fcber, wie selbstverst\u00e4ndlich Frieden f\u00fcr unsere Generation inzwischen geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade wenn man bedenkt, dass unsere Gro\u00dfv\u00e4ter noch gegeneinander Krieg f\u00fchrten und wir heute gemeinsam friedlich auf einem Campingplatz in den Alpen sitzen k\u00f6nnen, wird einem bewusst, in was f\u00fcr einem Luxus wir eigentlich leben. Ein Krieg innerhalb der Europ\u00e4ischen Union erscheint heute beinahe unvorstellbar und genau deshalb halte ich es f\u00fcr wichtig, diese Errungenschaften nicht als selbstverst\u00e4ndlich hinzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Reise wurde mir immer deutlicher, wie verbindend Reisen eigentlich ist. Menschen, die einem wenige Stunden zuvor noch v\u00f6llig fremd waren, werden einem pl\u00f6tzlich erstaunlich vertraut, einfach weil beide gerade unterwegs sind und dieselbe Offenheit f\u00fcreinander mitbringen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Morgens um halb f\u00fcnf<\/h3>\n\n\n\n<p>Da mir bewusst war, wie beliebt das Stilfserjoch bei Motorrad- und Sportwagenfahrern ist, entschied ich mich, m\u00f6glichst fr\u00fch aufzubrechen, um den Pass noch vor dem gro\u00dfen Verkehr zu fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Also klingelte mein Wecker morgens um halb f\u00fcnf. Im ersten Licht des Tages machte ich mich auf den Weg nach oben. Die Luft war frisch und k\u00fchl, gleichzeitig aber deutlich d\u00fcnner als unten im Tal. Anfangs war die Stra\u00dfe noch beinahe menschenleer und genau das machte die Auffahrt so besonders. Mit jeder weiteren Kehre gewann ich an H\u00f6he und gleichzeitig wurde die Aussicht immer spektakul\u00e4rer. Tief unter mir lagen die Stra\u00dfen des Tales und vor mir ragten schneebedeckte Gipfel in den Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Auffahrt anstrengend war, f\u00fchlte sich das Ganze beinahe berauschend an. Wahrscheinlich lag es an der Mischung aus k\u00f6rperlicher Ersch\u00f6pfung, Euphorie und der unglaublichen Landschaft. Um halb acht stand ich schlie\u00dflich auf 2757 Metern H\u00f6he an der Passh\u00f6he des Stilfserjochs.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein hei\u00dfer Kakao auf 2757 Metern<\/h3>\n\n\n\n<p>Kurz nach mir erreichten die ersten Rennradfahrer, Motorradfahrer und Sportwagen die Passh\u00f6he. W\u00e4hrend ich euphorisiert und in kurzer Fahrradhose durch ein kleines Schneefeld stapfte, sprach mich pl\u00f6tzlich ein \u00f6sterreichischer Rennradfahrer an und lud mich ganz unerwartet auf einen hei\u00dfen Kakao ein. Wahrscheinlich sah ich nach den vielen Kilometern und der fr\u00fchen Uhrzeit entsprechend ersch\u00f6pft aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch vor Beginn meiner Reise h\u00e4tte ich niemals erwartet, wie viele kleine, absurde und gleichzeitig unglaublich herzliche Begegnungen unterwegs entstehen w\u00fcrden. Genau diese kurzen Momente gaben der Reise ihren besonderen Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde ich oben auf der Passh\u00f6he beispielsweise gefragt, ob ich ber\u00fchmt sei. Als ich lachend verneinte und scherzhaft meinte, ich arbeite momentan noch daran, bat mich der Mann allen Ernstes um eine Autogrammkarte, mit der Aussicht, sie k\u00f6nne eines Tages wom\u00f6glich noch wertvoll werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kleine Gesten unterwegs<\/h3>\n\n\n\n<p>Oft waren es aber gar nicht die skurrilen Situationen, sondern die kleinen Gesten der Menschen, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal machte ich im Schatten eines Baumes nahe eines Wohnhauses eine kurze Pause, als pl\u00f6tzlich ein \u00e4lterer Mann aus seinem Garten auf mich zukam und mir wortlos einige Bananen in die Hand dr\u00fcckte. Dann verschwand er wieder. Ich habe unterwegs viele solcher kleinen Geschenke erhalten: Obst, Zuspruch, spontane Einladungen oder Schlafpl\u00e4tze. Wahrscheinlich gerade deshalb entstand in mir zunehmend das Bed\u00fcrfnis, \u00e4hnliche Gesten irgendwann auch anderen Menschen weiterzugeben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Elterliche F\u00fcrsorge in Tirol<\/h3>\n\n\n\n<p>Besonders auff\u00e4llig war f\u00fcr mich, dass ich als allein reisende junge Frau offenbar bei vielen Menschen sofort eine Art F\u00fcrsorgegef\u00fchl ausl\u00f6ste. So wurde ich beispielsweise w\u00e4hrend eines herannahenden Gewitters in Tirol von einer Familie kurzerhand ins Haus gebeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz sprachlicher Schwierigkeiten \u2014 vieles funktionierte eher mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen als mit Worten \u2014 entstand erstaunlich schnell ein Gef\u00fchl von Vertrautheit. W\u00e4hrend ich noch unter der Dusche stand, wurde bereits ein Bett vorbereitet und in der K\u00fcche ein riesiges Essen gekocht. Nat\u00fcrlich gab es Nudeln mit Tomatenso\u00dfe, frisches Gem\u00fcse aus dem Garten und jede Menge besorgte Nachfragen, ob ich denn wirklich ganz alleine unterwegs sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade solche Begegnungen machten die Reise f\u00fcr mich so besonders. Immer wieder wurde mir bewusst, dass man unterwegs nicht nur Eindr\u00fccke von anderen Menschen mitnimmt, sondern selbst ebenfalls einen Eindruck hinterl\u00e4sst. Deshalb hatte ich oft das Gef\u00fchl, nicht nur f\u00fcr mich selbst zu reisen, sondern auch ein kleines St\u00fcck mein eigenes Land zu repr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der S\u00fcden ruft<\/h3>\n\n\n\n<p>Vom Stilfserjoch aus f\u00fchrte mich meine Route schlie\u00dflich weiter \u00fcber den Gaviapass Richtung Gardasee und sp\u00e4ter nach Venedig. Mit jedem Kilometer wurde die Luft w\u00e4rmer, die Landschaft italienischer und das Gef\u00fchl st\u00e4rker, tats\u00e4chlich immer weiter Richtung S\u00fcden vorzudringen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-14.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1848\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-14.png 1024w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-14-300x200.png 300w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-14-768x512.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach \u00fcber 1500 Kilometern stand ich schlie\u00dflich in Venedig \u2014 ersch\u00f6pft, gl\u00fccklich und mit dem Gef\u00fchl, dass die Reise eigentlich gerade erst begonnen hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-17.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1855\" srcset=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-17.png 1024w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-17-300x200.png 300w, https:\/\/beyond-cycling.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/image-17-768x512.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reisen verbindet Durch die Fahrt \u00fcber das Timmelsjoch war ich endg\u00fcltig auf den Geschmack gekommen. 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