{"id":1466,"date":"2026-05-09T14:13:47","date_gmt":"2026-05-09T14:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1466"},"modified":"2026-05-09T15:54:00","modified_gmt":"2026-05-09T15:54:00","slug":"am-jordan","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/am-jordan\/","title":{"rendered":"Am Jordan"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein stiller Moment zwischen Wasser, W\u00fcste und der schmerzhaften Erinnerung an die Kinder im Krankenhaus<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach unserem Ausflug ans Tote Meer reisten Mae und ich am folgenden Tag weiter in den Norden Israels, an den wundersch\u00f6n gelegenen See Genezareth. Schon die Fahrt dorthin f\u00fchlte sich an wie ein Szenenwechsel. W\u00e4hrend rund um das Tote Meer trockene Felsen, Staub und flirrende Hitze das Landschaftsbild bestimmten, wirkte die Gegend rund um den See beinahe unwirklich gr\u00fcn.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders entlang des Jordans erschien mir die Landschaft wie eine kleine Oase mitten in der sonst oft so kargen Umgebung. Zwischen Palmen, Schilf und dichtem Gr\u00fcn floss das Wasser ruhig durch die Landschaft und an vielen Stellen sa\u00dfen Familien oder Reisegruppen am Ufer. Es war warm, aber deutlich angenehmer als unten am Toten Meer, und nach den staubigen Tagen zuvor f\u00fchlte sich allein die N\u00e4he zum Wasser schon wie Erholung an.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine besondere Erfrischung<\/h3>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich dauerte es nicht lange, bis wir selbst im Wasser standen. Nach all den trockenen W\u00fcstenlandschaften der letzten Wochen wirkte das Baden im Jordan beinahe surreal. Das Wasser war k\u00fchl und angenehm und ich genoss es unglaublich, einfach treiben zu lassen, zu schwimmen und f\u00fcr einen Moment nicht st\u00e4ndig an Arbeit, Krankenhaus oder politische Spannungen zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Mae lachend durchs Wasser lief und wir gemeinsam die friedliche Atmosph\u00e4re genossen, stellte sich pl\u00f6tzlich ein ganz anderes Gef\u00fchl bei mir ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in dieser wundersch\u00f6nen Umgebung musste ich auf einmal an die Kinder auf meiner Station denken.<\/p>\n\n\n\n<p>An die kleinen Patienten, die niemals eigenst\u00e4ndig an einem Flussufer stehen werden. Niemals einfach in einen See springen oder unbek\u00fcmmert schwimmen gehen k\u00f6nnen. Viele von ihnen w\u00fcrden wahrscheinlich nie einen solchen Ort erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Gedanke traf mich unerwartet hart.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Dankbarkeit und Traurigkeit<\/h3>\n\n\n\n<p>Vielleicht war es gerade der starke Kontrast zwischen dieser Freiheit und dem Alltag im Krankenhaus, der mich so traurig machte. Noch am Tag zuvor hatte ich Kinder gewaschen, beatmet oder vorsichtig durch die G\u00e4nge geschoben, deren gesamter Alltag sich zwischen Krankenzimmer, Therapieraum und medizinischen Ger\u00e4ten abspielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun stand ich hier im Wasser des Jordans, umgeben von Licht, Natur und Weite.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich falsch an, diese Momente einfach nur unbeschwert zu genie\u00dfen, obwohl ich gleichzeitig wusste, dass genau diese kleinen Auszeiten notwendig waren, um den Alltag im Krankenhaus \u00fcberhaupt langfristig auszuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht war es genau diese Mischung aus Dankbarkeit und schlechtem Gewissen, die mich an diesem Nachmittag begleitete.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tel Aviv bei Nacht<\/h3>\n\n\n\n<p>Am folgenden Nachmittag fuhr ich gemeinsam mit Linda, einer norwegischen Freiwilligen, weiter nach Tel Aviv. Dort verbrachten wir zun\u00e4chst einige Stunden am Strand, badeten im Mittelmeer und schauten sp\u00e4ter dem Sonnenuntergang zu, w\u00e4hrend die Stadt langsam zum Leben erwachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Tel Aviv f\u00fchlte sich dabei fast wie eine andere Welt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Weit entfernt schienen hier pl\u00f6tzlich die politischen Spannungen, die religi\u00f6se Schwere und die allgegenw\u00e4rtigen Gegens\u00e4tze Jerusalems. M\u00e4nner mit schwarzen H\u00fcten, Kippas und Schl\u00e4fenlocken sah man hier nur vereinzelt. Stattdessen pr\u00e4gten junge Menschen, Bars, Musik, Caf\u00e9s und volle Strandpromenaden das Stadtbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt wirkte laut, modern und beinahe europ\u00e4isch.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in Jerusalem Religion und Geschichte scheinbar an jeder Stra\u00dfenecke sp\u00fcrbar sind, hatte Tel Aviv etwas Leichtes und Rastloses. Menschen sa\u00dfen bis sp\u00e4t in die Nacht drau\u00dfen, Musik drang aus Bars auf die Stra\u00dfen und \u00fcberall herrschte Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den stillen Gedanken am Jordan f\u00fchlte sich dieser Abend beinahe unwirklich unbeschwert an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich sp\u00e4ter m\u00fcde zur\u00fcck nach Jerusalem fuhr, blieb vor allem das Gef\u00fchl zur\u00fcck, wie unglaublich unterschiedlich dieses kleine Land sein kann. Zwischen W\u00fcste und Gro\u00dfstadt, Krankenhaus und Strand, religi\u00f6ser Schwere und ausgelassener Leichtigkeit lagen oft nur wenige Stunden Busfahrt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"post-navigation\">\n\n  <a class=\"prev-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/schwarzer-tee-am-fels\/\">\n    <small>Vorheriger Bericht<\/small><br>\n    \u2190 Schwarzer Tee am Fels\n  <\/a>\n\n  <a class=\"next-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/totem-meer-schlamm\/\">\n    <small>N\u00e4chster Bericht<\/small><br>\n   Totem-Meer-Schlamm \u2192\n  <\/a>\n\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein stiller Moment zwischen Wasser, W\u00fcste und der schmerzhaften Erinnerung an die Kinder im Krankenhaus Nach unserem Ausflug ans Tote Meer reisten Mae und ich am folgenden Tag weiter in den Norden Israels, an den wundersch\u00f6n gelegenen See Genezareth. Schon die Fahrt dorthin f\u00fchlte sich an wie ein Szenenwechsel. 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