{"id":1460,"date":"2026-05-09T14:11:04","date_gmt":"2026-05-09T14:11:04","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1460"},"modified":"2026-05-09T15:52:12","modified_gmt":"2026-05-09T15:52:12","slug":"schwarzer-tee-am-fels","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/schwarzer-tee-am-fels\/","title":{"rendered":"Schwarzer Tee am Fels"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Kletterseilen, W\u00fcstenlandschaft und russisch-israelischer Gastfreundschaft entstehen besondere Begegnungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben meiner Arbeit im Krankenhaus gehe ich hier mittlerweile regelm\u00e4\u00dfig klettern. Anfangs war das f\u00fcr mich vor allem ein Ausgleich zum oft emotional belastenden Alltag auf Station, doch inzwischen sind die Menschen dort fast genauso wichtig geworden wie der Sport selbst. Gerade beim Klettern habe ich viele interessante Leute kennengelernt und einige Begegnungen entwickelten sich mit der Zeit weit \u00fcber ein loses Hobby hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders herzlich aufgenommen wurde ich von einer russischst\u00e4mmigen Familie, die mich schon nach kurzer Zeit immer wieder dazu einlud, gemeinsam mit ihnen am Sabbat drau\u00dfen am Fels klettern zu gehen. Der Vater der Familie hei\u00dft Dimitri und kam vor ungef\u00e4hr zwanzig Jahren aus einem Vorort von Moskau nach Israel, in der Hoffnung auf ein besseres und sichereres Leben. Heute arbeitet er als Stationsleitung und Krankenpfleger in einem Krankenhaus nahe Jerusalem. Seine ruhige, humorvolle Art und seine gro\u00dfe Herzlichkeit machten es einem ausgesprochen leicht, sich in seiner N\u00e4he wohlzuf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Wehrdienst, Wettk\u00e4mpfen und W\u00fcstenfelsen<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch seine Kinder lernte ich schnell kennen. Seine Tochter Nicole geht noch zur Schule und klettert schon seit ihrer fr\u00fchen Kindheit mit gro\u00dfer Leidenschaft. Mittlerweile nimmt sie regelm\u00e4\u00dfig erfolgreich an Wettk\u00e4mpfen teil und bewegt sich am Fels mit einer beeindruckenden Selbstverst\u00e4ndlichkeit und Leichtigkeit, w\u00e4hrend ich an manchen Stellen noch vorsichtig nach dem n\u00e4chsten Griff suchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Bruder Michail leistet momentan seinen Wehrdienst bei der Marine in Haifa ab und kommt meist nur am Wochenende nach Jerusalem zur\u00fcck. Gerade durch ihn bekam ich immer wieder einen kleinen Einblick darin, wie selbstverst\u00e4ndlich Milit\u00e4rdienst hier zum Leben vieler junger Menschen dazugeh\u00f6rt. W\u00e4hrend dieses Thema in Deutschland oft weit entfernt wirkt, ist es hier allt\u00e4gliche Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere gemeinsamen Kletterausfl\u00fcge f\u00fchrten uns regelm\u00e4\u00dfig hinaus aus Jerusalem in die trockene, felsige Landschaft rund um die Stadt. Schon die Fahrten dorthin waren oft besonders. Zwischen staubigen Stra\u00dfen, hellen Kalksteinfelsen und kahlen H\u00fcgeln er\u00f6ffnete sich eine Landschaft, die auf mich immer wieder gleichzeitig rau und wundersch\u00f6n wirkte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schwarzer Tee und zuckrige Kekse<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Klettern drau\u00dfen am Fels unterscheidet sich vollkommen vom Klettern in der Halle. Alles ist unberechenbarer: der Wind, die Hitze, die Beschaffenheit des Gesteins und manchmal auch der eigene Mut. Gleichzeitig f\u00fchlt sich aber gerade das unglaublich lebendig an.<\/p>\n\n\n\n<p>Mindestens genauso wichtig wie das eigentliche Klettern waren allerdings oft die Pausen zwischendurch. Kaum irgendwo wurde so viel schwarzer Tee getrunken wie bei diesen Ausfl\u00fcgen. Fast selbstverst\u00e4ndlich tauchten irgendwann Thermoskannen, Plastikbecher und gro\u00dfe Mengen extrem s\u00fc\u00dfer Kekse auf, die herumgereicht wurden, w\u00e4hrend man gemeinsam im Schatten sa\u00df und auf die W\u00fcstenlandschaft blickte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade diese Momente blieben mir besonders im Ged\u00e4chtnis. Vielleicht weil sie so schlicht waren. Niemand hatte es eilig, niemand schien st\u00e4ndig auf die Uhr zu schauen. Man sa\u00df einfach zusammen, redete \u00fcber das Leben, \u00fcber Israel, Russland, Deutschland oder \u00fcber v\u00f6llig belanglose Dinge und trank Tee in der Sonne.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Begegnungen, die bleiben<\/h3>\n\n\n\n<p>Was mich an diesen Tagen immer wieder beeindruckte, war die gro\u00dfe Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen. Obwohl ich urspr\u00fcnglich nur irgendein deutscher Freiwilliger aus der Kletterhalle war, wurde ich mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit aufgenommen, die mich oft fast besch\u00e4mte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in einem Land, das nach au\u00dfen hin so stark von Konflikten, Politik und Spannungen gepr\u00e4gt erscheint, sind es oft genau diese kleinen menschlichen Begegnungen, die mir am meisten in Erinnerung bleiben. Vielleicht auch deshalb, weil sie im Alltag leicht \u00fcbersehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich heute an diese Ausfl\u00fcge zur\u00fcckdenke, sehe ich weniger die schwierigen Kletterrouten oder die spektakul\u00e4ren Felsen vor mir, sondern vielmehr staubige Schuhe, warme Abendsonne, schwarzen Tee aus Plastikbechern und Menschen, die mir das Gef\u00fchl gegeben haben, willkommen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"post-navigation\">\n\n  <a class=\"prev-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/in-heiliger-nacht-und-nebel\/\">\n    <small>Vorheriger Bericht<\/small><br>\n    \u2190 In Heiliger Nacht und Nebel\n  <\/a>\n\n  <a class=\"next-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/am-jordan\/\">\n    <small>N\u00e4chster Bericht<\/small><br>\n   Am Jordan \u2192\n  <\/a>\n\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Kletterseilen, W\u00fcstenlandschaft und russisch-israelischer Gastfreundschaft entstehen besondere Begegnungen Neben meiner Arbeit im Krankenhaus gehe ich hier mittlerweile regelm\u00e4\u00dfig klettern. 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