{"id":1403,"date":"2026-05-09T13:40:01","date_gmt":"2026-05-09T13:40:01","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1403"},"modified":"2026-05-09T15:40:01","modified_gmt":"2026-05-09T15:40:01","slug":"mitzpe-ramon-wanderung-durch-eine-mondlandschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/mitzpe-ramon-wanderung-durch-eine-mondlandschaft\/","title":{"rendered":"Mitzpe Ramon \u2013 Wanderung durch eine Mondlandschaft"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Unterwegs in die W\u00fcste<\/h3>\n\n\n\n<p>Aktuell ist in Israel die wohl beste Jahreszeit, um drau\u00dfen unterwegs zu sein, bevor die Sommerhitze wirklich unertr\u00e4glich wird. Deshalb machte ich mich gemeinsam mit einer Freundin und einem italienischen Bekannten von ihr auf eine dreit\u00e4gige Wanderung durch die Negev-W\u00fcste. Ausgangspunkt unserer Tour war die kleine Ortschaft Mitzpe Ramon, die zwischen Be\u2019er Scheva und Eilat mitten in der W\u00fcste liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon beim Packen wurde uns bewusst, was die eigentliche Herausforderung dieser Wanderung sein w\u00fcrde: Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Gewichtes in unseren ohnehin schon vollgestopften Rucks\u00e4cken bestand aus Wasservorr\u00e4ten. Dazu kamen Schlafs\u00e4cke, Isomatten, etwas Essen und ein paar wenige Kleidungsst\u00fccke. Alles musste getragen werden, alles musste reichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abstieg in den Makhtesh Ramon<\/h3>\n\n\n\n<p>Von Mitzpe Ramon aus stiegen wir hinab in den Makhtesh Ramon, den gr\u00f6\u00dften Erosionskrater der Negev-W\u00fcste, der sich \u00fcber mehr als 40 Kilometer erstreckt. Bereits der erste Blick auf diese Landschaft war \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00fchlte sich beinahe an, als w\u00fcrde man \u00fcber einen fremden Planeten laufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umgebung war nahezu vegetationslos. Stattdessen bestimmten bizarre Felsformationen, Ger\u00f6llfelder, Staub und Sand das Landschaftsbild. Manche Steine schimmerten r\u00f6tlich, andere grau oder fast schwarz. Alles wirkte trocken, uralt und gleichzeitig vollkommen still.<\/p>\n\n\n\n<p>Je tiefer wir in die W\u00fcste hineinwanderten, desto kleiner f\u00fchlte man sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber gut markierte Pfade und Abschnitte des israelischen Nationalwanderweges liefen wir stundenlang durch diese karge Landschaft. Teilweise begegneten wir \u00fcber Stunden keinem einzigen Menschen. Nur der Wind war zu h\u00f6ren und manchmal das Knirschen des Sandes unter den Schuhen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Salzig wie das Tote Meer<\/h3>\n\n\n\n<p>Schon jetzt war es im S\u00fcden Israels tags\u00fcber ausgesprochen warm. Nach l\u00e4ngeren Aufstiegen waren unsere Gesichter und Arme wei\u00df vom getrockneten Salzschwei\u00df und wir scherzten irgendwann dar\u00fcber, mittlerweile wahrscheinlich selbst salziger zu sein als das Tote Meer. Jeder kleine Schattenplatz wurde kostbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir unterwegs irgendwo einen einzelnen Felsen fanden, der ein kleines bisschen Schutz vor der Sonne bot, setzten wir uns sofort ersch\u00f6pft daneben und tranken m\u00f6glichst vorsichtig von unserem Wasservorrat. In solchen Momenten merkte ich erst, wie selbstverst\u00e4ndlich Wasser, Schatten und K\u00fchle f\u00fcr uns normalerweise sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">N\u00e4chte unter Sternen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die N\u00e4chte verbrachten wir einfach unter freiem Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Zelt, ohne Licht, mitten in der W\u00fcste. Und genau dort zeigte sich die Negev von ihrer vielleicht sch\u00f6nsten Seite. Der Sternenhimmel war \u00fcberw\u00e4ltigend klar, ungest\u00f6rt von Stra\u00dfenlaternen oder St\u00e4dten. \u00dcber uns zog ein einziges riesiges Band aus Sternen und immer wieder konnte man Sternschnuppen beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders faszinierend fand ich den extremen Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man nachts im W\u00fcstenstaub liegt, eingepackt in dicke Fleecekleidung und einen fest zugezogenen Schlafsack, sodass nur noch ein kleiner Spalt zum Atmen und Beobachten \u00fcbrig bleibt, erscheint es vollkommen absurd, dass man wenige Stunden sp\u00e4ter wieder verzweifelt nach Schatten suchen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade diese Gegens\u00e4tze machten die W\u00fcste f\u00fcr mich so beeindruckend.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Wunsch nach mehr<\/h3>\n\n\n\n<p>Je l\u00e4nger wir unterwegs waren, desto st\u00e4rker wurde in mir der Wunsch, eines Tages den gesamten israelischen Nationalwanderweg zu laufen, von Eilat ganz im S\u00fcden bis hoch in den Norden des Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mischung aus Einsamkeit, k\u00f6rperlicher Ersch\u00f6pfung und dieser unglaublichen Landschaft faszinierte mich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider endete unsere Wanderung schon nach drei Tagen im kleinen Dorf Saphir.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Staubig im Luxusauto<\/h3>\n\n\n\n<p>Von dort aus beschlossen meine Freundin und ich spontan, wieder zur\u00fcck nach Jerusalem zu trampen, anstatt stundenlang in der Hitze auf einen \u00fcberteuerten Bus zu warten. Erstaunlicherweise hatten wir schnell Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mann hielt an, der ohnehin einen gro\u00dfen Teil der Strecke in unsere Richtung fuhr. Dreckig, verschwitzt und voller W\u00fcstenstaub stiegen wir in das ger\u00e4umige, makellos saubere Auto eines offensichtlich sehr wohlhabenden israelischen Gesch\u00e4ftsmannes ein. Wir f\u00fchlten uns augenblicklich fehl am Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend wir versuchten, m\u00f6glichst vorsichtig auf den wei\u00dfen Ledersitzen zu sitzen, um blo\u00df nichts schmutzig zu machen, fuhr er vollkommen entspannt los.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Cola, Eis und eine Grenzmauer<\/h3>\n\n\n\n<p>In En Bokek, einem kleinen Touristenort am Toten Meer, musste unser Fahrer kurz anhalten, um etwas zu erledigen. W\u00e4hrend er ausstieg, \u00fcberlegten wir noch, ob wir vielleicht schnell irgendwo etwas trinken oder einen kleinen Snack kaufen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir das vorsichtig ansprachen, deutete er allerdings recht bestimmt darauf hin, dass wir besser im Auto bleiben sollten. Fast wirkte es, als wolle er keinesfalls gemeinsam mit zwei staubigen W\u00fcstenwanderern gesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso \u00fcberraschter waren wir, als er wenige Minuten sp\u00e4ter zur\u00fcckkam und uns Cola und Eis mitbrachte. F\u00fcr uns war das in diesem Moment purer Luxus.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Weiterfahrt erz\u00e4hlte er uns schlie\u00dflich, womit er sein Geld verdiente. Er besa\u00df ein gro\u00dfes Bauunternehmen im Norden Israels und arbeitete aktuell am Bau der Grenzanlagen zu Jordanien.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich im Land etwas umschaute, konnte man sich leicht vorstellen, dass dieses Gesch\u00e4ft ausgesprochen lukrativ war.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Totes-Meer-Shampoo f\u00fcr gesch\u00e4digtes Haar<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach vielen gemeinsamen Kilometern setzte er uns schlie\u00dflich an einer Kreuzung Richtung Jerusalem ab. Doch bevor wir ausstiegen, griff er noch einmal hinter seinen Sitz und dr\u00fcckte jedem von uns eine Flasche \u201eTotes-Meer-Shampoo f\u00fcr gesch\u00e4digtes Haar\u201c in die Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Verdattert standen wir kurz darauf mit unseren staubigen Rucks\u00e4cken und den Shampoo-Flaschen am Stra\u00dfenrand und mussten laut lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Mischung aus Hilfsbereitschaft, Absurdit\u00e4t und v\u00f6llig unerwarteten Begegnungen ist wahrscheinlich genau das, was meine Zeit in Israel bisher am meisten gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwischen W\u00fcste und Medizinertest<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben all diesen Reisen und Erlebnissen verbringe ich momentan allerdings auch viel Zeit mit Lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai steht der Medizinertest an, \u00fcber den man einen der begehrten Studienpl\u00e4tze erhalten kann. Auch wenn das st\u00e4ndige Wiederholen von Formeln, Fakten und physikalischen Einheiten manchmal ziemlich trocken ist, w\u00e4chst gleichzeitig die Vorfreude auf das Studium.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht genie\u00dfe ich gerade deshalb diese Auszeiten in der W\u00fcste umso mehr \u2014 weil dort f\u00fcr ein paar Tage nur Staub, Sterne und der n\u00e4chste Schritt z\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"post-navigation\">\n\n  <a class=\"prev-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/verschleiert-auf-juedischer-party\/\">\n    <small>Vorheriger Bericht<\/small><br>\n    \u2190 Verschleiert auf j\u00fcdischer Party\n  <\/a>\n\n  <a class=\"next-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/moses-jesus-und-mohammed\/\">\n    <small>N\u00e4chster Bericht<\/small><br>\n   Moses, Jesus und Mohammed \u2192\n  <\/a>\n\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterwegs in die W\u00fcste Aktuell ist in Israel die wohl beste Jahreszeit, um drau\u00dfen unterwegs zu sein, bevor die Sommerhitze wirklich unertr\u00e4glich wird. 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