{"id":1386,"date":"2026-05-09T13:33:50","date_gmt":"2026-05-09T13:33:50","guid":{"rendered":"https:\/\/beyond-cycling.de\/?page_id=1386"},"modified":"2026-05-09T15:36:36","modified_gmt":"2026-05-09T15:36:36","slug":"totes-meer-und-lebendige-begegnungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/totes-meer-und-lebendige-begegnungen\/","title":{"rendered":"Totes Meer und lebendige Begegnungen"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Spontan ans Tote Meer<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch mit Jasmin, einer jungen Frau, die ich hier in Jerusalem kennengelernt habe, unternahm ich bereits eine ausgesprochen sch\u00f6ne und zugleich ziemlich spontane Tour. Nach der Arbeit beschlossen wir, zum Toten Meer zu fahren. Eigentlich wollten wir ganz regul\u00e4r den Bus nehmen, doch der massive Rushhour-Stau in Jerusalem machte uns schnell einen Strich durch die Rechnung. Als wir endlich am Busbahnhof ankamen, war unser Bus l\u00e4ngst verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Also begannen wir zu trampen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile geh\u00f6rte das f\u00fcr mich hier fast schon zum Alltag und erstaunlicherweise funktionierte es in Israel oft unkomplizierter, als ich es jemals erwartet h\u00e4tte. Insgesamt mussten wir auf dem Weg zum Toten Meer drei Mal umsteigen. Die letzte Mitfahrgelegenheit stellte schlie\u00dflich ein Mann dar, der uns eigentlich nur ein St\u00fcck mitnehmen wollte, uns dann aber spontan anbot, direkt bis nach Masada zu fahren, obwohl dies f\u00fcr ihn einen deutlichen Umweg bedeutete.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Fahrt erz\u00e4hlte er uns ganz selbstverst\u00e4ndlich, dass er ohnehin noch an einen Strand am Toten Meer fahren wolle, um dort den Sonnenuntergang zu erleben und etwas zu grillen. Fast beil\u00e4ufig lud er uns ein, ihn zu begleiten. Nat\u00fcrlich sagten wir sofort zu.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abendstimmung zwischen Israel und Jordanien<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Strand, an dem wir ankamen, lag etwas abgelegen und war nahezu menschenleer. Nur wenige Leute hielten sich dort auf, zuf\u00e4lligerweise auch zwei deutsche Touristen. Es d\u00e4mmerte bereits und auf der anderen Seite des Wassers konnte man die Lichter Jordaniens erkennen, die langsam in der Dunkelheit aufleuchteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch w\u00e4hrend wir aus dem Jeep stiegen, waren Jasmin und ich uns sofort einig, dass wir einfach hier \u00fcbernachten w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Lichtkegel der Autoscheinwerfer bauten wir unser kleines Zelt direkt am Strand auf, w\u00e4hrend unser Fahrer ein St\u00fcck weiter ein Lagerfeuer vorbereitete. Wenig sp\u00e4ter kochte er f\u00fcr uns sogar noch vegetarische Nudeln mit So\u00dfe, weil wir erz\u00e4hlt hatten, dass wir kein Fleisch essen. Damit hatten wir \u00fcberhaupt nicht gerechnet, als wir am Nachmittag aus dem grauen, hektischen Jerusalem aufgebrochen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war einer dieser Momente, die f\u00fcr mich diese Zeit in Israel so besonders gemacht haben: Dieses st\u00e4ndige Improvisieren, diese Spontaneit\u00e4t und gleichzeitig diese unglaubliche Gastfreundschaft vieler Menschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sonnenaufgang am Salzmeer<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Nacht selbst war ehrlich gesagt deutlich weniger romantisch als der Abend davor. Der harte Sandboden, die d\u00fcnnen Isomatten und die trockene Luft sorgten daf\u00fcr, dass wir beide nur m\u00e4\u00dfig gut schliefen. Um halb sechs morgens klingelte dann auch schon der Wecker.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch jede M\u00fcdigkeit war vergessen, als wir aus dem Zelt krochen und den Sonnenaufgang \u00fcber dem Toten Meer sahen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landschaft wirkte vollkommen unwirklich. Das Wasser lag still zwischen den kahlen Bergen Jordaniens und Israels, die ersten Sonnenstrahlen f\u00e4rbten die Felsen orange und rosa und alles war vollkommen ruhig.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gingen wir sofort baden. Das Gef\u00fchl, schwerelos auf diesem extrem salzhaltigen Wasser zu treiben, bleibt einfach einzigartig. Gleichzeitig brannte jede kleine Schramme an Armen und Beinen augenblicklich wie Feuer. Trotzdem wollten wir kaum wieder hinaus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit Nonnen nach Masada<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach dem Baden trampten wir weiter Richtung Masada. Diesmal wurden wir von zwei \u00e4lteren Nonnen mitgenommen, die urspr\u00fcnglich aus Amerika stammten und erst vor einigen Jahren nach Israel ausgewandert waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden erz\u00e4hlten mit gro\u00dfer Begeisterung von ihrem Leben hier und davon, dass sie jeden einzelnen Tag in Israel noch immer als Abenteuer empf\u00e4nden. Ihre Offenheit und Fr\u00f6hlichkeit beeindruckte mich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Masada aus wanderten wir sp\u00e4ter durch die W\u00fcste und entschieden uns f\u00fcr einen steilen Pfad hinauf zur antiken Felsenfestung. Der Aufstieg in der Hitze war anstrengend, aber die Aussicht von oben entsch\u00e4digte f\u00fcr alles. Weit unter uns lag das Tote Meer, dahinter Jordanien, ringsherum nur W\u00fcste, Felsen und Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort oben machten wir eine lange Pause und schwiegen zwischendurch einfach nur, weil diese Landschaft kaum Worte brauchte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Heimweg per Lastwagen<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag machten wir uns schlie\u00dflich wieder auf den R\u00fcckweg nach Jerusalem. Lange warten mussten wir diesmal nicht. Ein Lastwagenfahrer hielt an und nahm uns direkt bis nach Jerusalem mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verst\u00e4ndigung verlief allerdings etwas schwierig, da er kaum Englisch sprach. Trotzdem entstand auf merkw\u00fcrdige Weise eine freundliche Stimmung im Fahrerhaus, gepr\u00e4gt von H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, einzelnen Wortfetzen und viel gegenseitigem Lachen \u00fcber misslungene Kommunikationsversuche.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir schlie\u00dflich wieder in Jerusalem ankamen, f\u00fchlte sich der ganze Tag bereits v\u00f6llig unwirklich an.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Begegnungen zwischen Jerusalem, G\u00f6ttingen und Teheran<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt vergeht die Zeit hier in Israel f\u00fcr mich unglaublich schnell. Jeder Tag scheint voller Begegnungen, Eindr\u00fccke und kleiner Geschichten zu sein, die sich kaum planen lassen und gerade deshalb so besonders bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich nun in Jerusalem lebe und arbeite, verbringt gleichzeitig mein iranischer Austauschsch\u00fcler Amir Arsalan seine Zeit bei meiner Familie in G\u00f6ttingen, lernt dort Deutsch und besucht das Hainberg-Gymnasium. Allein dieser Gedanke wirkt angesichts der politischen Spannungen zwischen Israel und Iran beinahe absurd.<\/p>\n\n\n\n<p>Und trotzdem erscheint mir genau das mittlerweile wichtiger denn je: Dass Menschen sich trotz aller Unterschiede begegnen, voneinander lernen und erleben, dass hinter politischen Konflikten immer einzelne Menschen mit Hoffnungen, Sorgen und Geschichten stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind es gerade diese kleinen Begegnungen unterwegs \u2013 beim Trampen, an einem Strand, in einem Lastwagen oder bei einem gemeinsamen Essen \u2013, die mir hier am meisten im Ged\u00e4chtnis bleiben werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"post-navigation\">\n\n  <a class=\"prev-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/goldschmuggel-ueber-die-hochsicherheitsgrenze\/\">\n    <small>Vorheriger Bericht<\/small><br>\n    \u2190 Goldschmuggel \u00fcber die Hochsicherheitsgrenze\n  <\/a>\n\n  <a class=\"next-post\" href=\"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/verschleiert-auf-juedischer-party\/\">\n    <small>N\u00e4chster Bericht<\/small><br>\n   Verschleiert auf j\u00fcdischer Party \u2192\n  <\/a>\n\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spontan ans Tote Meer Auch mit Jasmin, einer jungen Frau, die ich hier in Jerusalem kennengelernt habe, unternahm ich bereits eine ausgesprochen sch\u00f6ne und zugleich ziemlich spontane Tour. Nach der Arbeit beschlossen wir, zum Toten Meer zu fahren. Eigentlich wollten wir ganz regul\u00e4r den Bus nehmen, doch der massive Rushhour-Stau in Jerusalem machte uns schnell [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-with-title","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1386","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1386"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1595,"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1386\/revisions\/1595"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/beyond-cycling.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}